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Heimatreise mit Kleinkind

Am Montag bin ich mit Klara wieder von unserer Reise, in meine alte Heimat, zurückgekehrt. Jedes Mal, wenn wir verreisen, ist es wieder eine Überraschung, wie gut das Reisen funktionieren wird. Einfach, weil ein Kind zwischen den einzelnen Reisen (selbstverständlicher Weise) wächst und neues dazu lernt. Dieses Mal ist seit unserer letzten Deutschlandreise ein halbes Jahr vergangen. Im Leben einer fast zwei Jährigen ist das ein Viertel ihrer Lebenszeit. Tatsächlich haben wir (oder ich?) diese Reise ganz anders wahrgenommen als die bisherigen. Es ist natürlich auch immer ein Unterschied, ob ich allein mit ihr Reise, oder mit meinem Freund. Aber wie schon einmal hier erwähnt, reise ich sogar ganz gern allein (mit Kind).

Zu Beginn dieser Reise hatte ich das Gefühl, dass ich einen sehr schlechten Zeitpunkt erwischt hätte. Denn bei Klara kündigten sich zwei weitere Zähne an, was sich bei ihr auch durch Fieber an zwei Abenden äußerte. Außerdem nimmt Klara seit einer Weile ihre Umwelt viel bewusster wahr. Was einerseits wunderschön ist, weil so unsere Kommunikation viel intensiver geworden ist, macht andererseits das Verarbeiten von solchen neuen Umständen schwieriger. Denn die Veränderung wird zwar bewusst wahrgenommen und darauf reagiert, aber sie kann sich sprachlich eben noch nicht so gut ausdrucken wie sie es möchte und versteht, dass warum nicht unbedingt immer. Hinzu kommt das Klara nun seit zwei Monaten nur noch nachts eine Windel trägt. Ich habe mich also schon gefragt wie das Reisen mit einem windelfreien Kleinkind werden würde.

Bei meinen Reisen in die Heimat ist es mir immer wichtig Exklusivzeit mit der Familie, aber auch mit den Freunden zu verbringen.  Ich möchte einfach das dieses innige Verhältnis zu meinen Freunden erhalten bleibt und deshalb ist Exklusivzeit ganz wichtig. Auch wenn das für meine Familie nicht immer ganz einfach ist zu verstehen. Eigentlich übernachten Klara und ich immer ein paar Tage bei einer meiner Freundinnen und ein paar Tage bei meinen Eltern. Auch diesmal hatte ich es wieder so geplant.

Nachdem wir also vom Flughafen abgeholt wurden und einen sehr entspannten Abend mit meiner Mama verbrachten, machten wir uns am nächsten Tag bereits auf nach Potsdam. Für Klara war dieser schnelle Wechsel sehr gewöhnungsbedürftig und ich hätte ihr definitiv genauer sagen sollen, was als nächstes passieren wird. Wie es dann nämlich so ist, fährt man im Stress zum Bahnhof. Kauft schnell noch ein Ticket und verabschiedet sich ganz schnell am Gleis von der Oma. Für Klara war es aber absolut unverständlich, warum die Oma jetzt nicht mitkommt. In den folgenden Tagen hat sie dann tatsächlich wesentlich häufiger nach ihr gefragt und am ersten Abend bei meiner Freundin ging sie sogar zur Haustür und wollte wieder gehen. So ein Verhalten kannte ich gar nicht und war ganz überrascht. Letztlich hat Klara die Zeit mit meinen Freunden aber auch sehr genossen und spricht auch jetzt noch von ihnen.

Erstaunlich gut funktioniert das Reisen mit einem trockenen Kleinkind. Ich war ganz überrascht wie das Reisen scheinbar sogar positiven Einfluss hatte, denn auch nachts ist Klara seit Beginn der Reise trocken. Dieser Prozess fasziniert mich sehr. Auch wenn mir gleichzeitig bewusst wurde wie eklig die deutschen Regionalbahntoiletten sind. Öffentliche Toiletten sind nämlich grad voll in! Alle sind anders und dort bekommt man ungeteilte Aufmerksamkeit. Ich möchte auch das Gefühl vermitteln Bedürfnisse wirklich wahrzunehmen und gehe mit Klara jedes Mal wirklich auf die Toilette, wenn sie davon spricht (meistens übrigens auf Schwedisch: bajsa). Ein wenig schade fand ich es aber doch, dass ich mich mit meinen Freundinnen beim Italiener kaum unterhalten konnte, weil Klara so oft auf die Toilette wollte. Aber ich denke da ganz positiv und sage mir: Auch diese Phase geht irgendwann vorüber!

Das Titelfoto stammt übrigens aus unserem Auto als ich wieder in Schweden gelandet bin und wir nach Hause fuhren. Denn ich war wirklich erstaunt von den deutschen Autobahnen. Hier wird unmissverständlich deutlich, dass wesentlich mehr Menschen in Deutschland leben als in Schweden. Dabei komme ich aus dem Osten Deutschlands. Im Süden ist es bekanntlich viel extremer. Unsere Reise hat es in der Hinsicht beeinflusst, dass wir noch einmal extra vorsichtig und mit extra viel Zeitpuffer gefahren sind. Als ich an einem Abend allein unterwegs war, sah ich 3 Unfälle und einen Falschfahrer auf der Gegenfahrbahn, das ist wirklich nicht ungefährlich. Bewusstes Reisen also ganz wichtig.

Was immer wieder wichtig ist auf meinen Reisen, ist Spontanität. Eigentlich hatte ich vor der Beginn der Reise noch mindestens eine Übernachtung in Berlin eingeplant. Um auch dort noch Freunde treffen zu können und vielleicht ein wenig schlendern zu gehen. Daraus wurde letztlich dann nichts, weil ich gespürt habe, dass es diesmal für uns zu viel werden würde. Auch das war total ok so. Dadurch haben wir noch ein paar entspannte Tage in meiner Heimatstadt verbracht. Letztlich weiß ich ja, dass ich bald wiederkommen werde.

Momentan schwanke ich aber in meiner Überlegung, ob kürzere, aber häufigere Heimaturläube besser sind als längere. So ganz kann ich mich noch nicht entscheiden. Hat jemand von euch Erfahrung?

Liebe Grüße,

eure Claudia

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