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Die Sache mit der Zweisprachigkeit #2 Vov und Wau und Daddy

Es wird Zeit für einen kleinen neuen Lagebericht. In letzter Zeit ist so einiges passiert in Klaras Sprachentwicklung und der letzte Bericht ist schon fast vor einem Jahr entstanden. Wie siehts also grad aus? Natürlich sind mein Freund und ich immer ganz gespannt darauf, ob Klaras nächstes Wort nun ein deutsches oder ein schwedisches sein wird. Dadurch, dass wir in Schweden leben ist sie von der schwedischen Sprache umgeben und doch schaffen wir es bisher ganz gut die deutsche Sprache aktiv in unseren Alltag einzubinden.

Das Bild das ihr oben sieht, stammt von einem Mittagessen bei uns Zuhause. Ein Sinnbild der Kommunikation mit Klara. Ein richtiges Spiel hat sich so nach und nach entwickelt. Auf unserem Esstisch ist eine Holzmaserung und eines der typischen „Astlochflecken“ ist bei uns ein ‚Knopf‘. Auf den wird gedrückt, wenn ein Tiergeräusch nachgemacht werden soll. Klara drückt also während des Essens immer wieder auf einen der zwei Knöpfe, einer auf meiner Seite, damit ich ein Geräusch mache und einer auf der Seite meines Freundes, damit er ein Geräusch macht. Vorzugsweise natürlich den ‚wau, wau‘.

Wie geht es nun voran mit der Zweisprachigkeit?

Das Einbinden der deutschen Sprache in den Alltag ist eine Herausforderung, aber machbar.

Welche Sprache wir jeweils sprechen, davon habe ich hier schon berichtet. daran hat sich grundlegend nichts geändert. Aber die Übergänge sind weicher geworden. Ich versuche sehr standhaft im Deutschen zu bleiben, was manchmal nach einem ganzen Tag im Schwedischen (auf der Arbeit) nicht ganz einfach ist, aber wir haben unsere Einstellung gelockert, was das Deutsch sprechen meines Freundes angeht. Lieber mehr Deutsch als weniger, auch wenn es nicht perfekt ist, das ist unser Motto. Wodurch bekommen wir sonst noch Deutsch natürlich in unseren Alltag eingebunden? Zum Beispiel höre ich häufig deutsches Radio. Momentan möchten wir noch nicht das Klara fernsehen schaut und sie hört auch noch nicht aktiv Hörspiele, aber auch das werden zukünftig Hilfen sein, um die deutsche Sprache lebendig zu halten. Ihr dürft mir gerne Tipps zu guten deutschen Fernsehsendungen geben, da habe ich über das aktuelle Angebot überhaupt keinen Überblick oder eine App mit netten Kurzfilmen? Außerdem haben wir sehr viele deutsche Kinderbücher. Jedes Mal, wenn wir in Deutschland sind ist ein Besuch bei dussman in Berlin ein muss. So viel Auswahl und so schöne Ideen haben wir dort schon gefunden. „Nur noch mal die Augen kraulen“ ist bestimmt schon allen bekannt. Aber ich kann auch „Alle müssen gähnen“ so ein schönes Buch mit so tollen Klappen auch wärmstens empfehlen. Klara liebt das Buch und es ist auch ganz perfekt für Ablenkung auf langen Autofahrten. „Der kleine Fuchs macht einen Muchs“ ist ein weiteres meiner Lieblingsbücher. Reime sind insbesondere gut für die Sprachentwicklung und es liest sich auch so schön vor. Aber ich lese Klara auch schwedische Kinderbücher vor und übersetze die Texte gleich direkt ins Deutsche. Momentan ist „Knacka på“ unser großer Favorit. Weiterhin singen wir natürlich viel mit Klara oder hören uns Lieder an und ich finde, dass das immer mehr Spaß macht. Während ich es am Anfang nicht so sehr mochte und mein Freund viel mehr gesungen hat, fallen mir nun auch immer mehr schöne Kinderlieder wieder ein. Außerdem gibt es natürlich noch Bewegungstänze und Fingerspiele. Die sind auch total beliebt bei Klara.

Betreuung durch uns als Vorteil für die gleichberechtigte Entwicklung beider Sprachen.

Momentan wird Klara von meinem Freund und mir betreut. Jeder ist 2 1/2 Tage mit ihr Zuhause während der andere arbeiten geht. Wenn ich mit ihr Zuhause bin spreche ich natürlich vor allem Deutsch es sei denn wir treffen uns mit Freunden oder sind bei unserer Musikstunde. Mein Freund wiederum spricht dann vor allem Schwedisch, wenn er Zuhause ist. Momentan steckt Klara in einer ganz starken Sprachentwicklungsphase und lernt gefühlt jeden Tag ein neues Wort dazu. Daher bin ich sehr froh, dass sie noch ganz viel Zeit mit mir gemeinsam Zuhause verbringt und somit die deutsche Sprache noch stärker in ihrem Alltag vorhanden ist.

Besuch in der Heimat

Über Weihnachten waren wir knapp 3 Wochen in Deutschland. Hier ist Klara natürlich am meisten mit dem Deutschen in Berührung gekommen. So viel Qualitätszeit, die sie mit meinen Eltern und Geschwistern verbringen konnte. Seit Weihnachten kann sie nun auch „Wauwau“ und „Dede“ (=Jette). Der Hund meiner Oma hat einen großen Eindruck auf sie gemacht und sie zeigt seit dem auf jeden Hund und sagt „wauwau“. Ich muss sagen, dass ich mich über dieses „Wauwau“ wahnsinnig gefreut habe, ist es doch ein weiterer Hinweis auf die deutsche Sprache. In Schweden sagt der Hund nämlich „Vov,Vov“. Außerdem hat sie über Weihnachten auch so etwas ähnliches wie Oma (allerdings mit halbverschluckten O) gesagt. Meine Mama ist für sie ganz wichtig und man spürt wie das Band zwischen den beiden sich weiter verknüpft, für uns ist es so schön, dass zu beobachten, weil uns ja doch relativ selten sehen und trotzdem so eine Vertrautheit herrscht.

Neue Medien für uns ein Segen

Wenn wir unseren Laptop oder das Ipad hervorholen fängt Klara ganz begeistert an zu winken, denn sie weiß jetzt skypen wir gleich mit Oma und Opa oder farmor och farfar (Schwedisch für Oma und Opa väterlicherseits). Insbesondere mit meiner Mama skypen Klara und ich sehr häufig und wir haben wirklich das Gefühl, dass es einen Einfluss auf das Verhältnis zwischen den beiden hat. Wir sind also einfach nur dankbar über diese Möglichkeit.

Die erste bewusste Kommunikation

In der letzten Woche hat Klara dann begonnen ‚tack‘ (=danke) zu sagen und auch ganz häufig richtig einzusetzen. Man hört also ganz häufig ein ‚tack‘, wenn sie  dann wenn man ihr etwas gegeben hat. Das war schon ziemlich süß und ganz kurze Zeit später kam ’nomehr‘ (= noch mehr) dazu. Seit dem zeigt sie uns ganz bewusst, wenn sie etwas essen möchte, in dem sie zu ihrem Hochstuhl geht und nach „nomehr“ verlangt. Ich finde diese Kommunikation, die jetzt zwischen uns möglich ist ganz großartig. Immer mehr erfahren wir nun ganz direkt von ihr ohne das wir vorher raten müssen. Gestern kam dann auch gleich ein weiteres Wort dazu ‚bil‘ (=Auto). Sie zeigte auf ein Auto und sagte einfach „bil“.

Dreisprachigkeit?!

Tja und dann am letzten Wochenende ist noch etwas unverhofftes passiert. Wir haben unseren kanadischen Freunden beim Umziehen geholfen und dessen kleine Tochter hat sehr viel nach ihrem ‚daddy‘ gerufen. Klara war sichtlich fasziniert von ihrer kleinen Freundin und seit Montag sagt Klara nun auch ganz fleißig „daddy“. Sie weiß nicht, was es bedeutet, aber das Erzählen macht trotzdem sichtlich viel Spaß. Esther hat somit also Klara das erste englische Wort beigebracht.

Dieser Sprachlernprozess ist wirklich unglaublich interessant und ich bin gespannt darauf wie es weitergeht und freue mich auf alle weiteren Kommunikationsmöglichkeiten.

Habt ihr noch weitere Ideen wie man die deutsche Sprache in unseren Alltag mit einbinden könnte? Liest hier vielleicht jemand mit dessen Kind schon weiter in der zweisprachigen Sprachentwicklung ist? Habt ihr auf eine Antwort in der gleichen Sprache bestanden oder durfte das Kind wählen in welcher Sprache es sprechen möchte?

Ich wünsche euch ein schönes Wochenende!

Liebe Grüße,

Claudi

 

 

 

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