Entwicklung · Schwangerschaft · Sprachentwicklung · Zweisprachigkeit

Willkommen deutsches „r“ oder auch die Sache mit der Zweisprachigkeit

Seit Sonntag kann Klara wieder etwas neues. Hier wird jetzt ganz wundervoll das „r“ gerollt, so richtig schön „rrrrrrr“ gegurgelt. Wir haben das fast ein bisschen gefeiert, denn es ist der erste Hinweis auf die deutsche Sprache. Seit ein oder zwei Wochen sagt Klara schon Mama und Papa. Allerdings ist es natürlich so, dass sie viel mehr die Laute macht und ihr noch nicht bewusst ist, was diese „Worte“ für eine Bedeutung haben. Außerdem sagt man auch im schwedischen „Mamma“ und „Papa“ hier unterscheiden sich die Sprachen also nicht in der Aussprache.

Das Klara zweisprachig aufwächst ist sehr wichtig für uns. In der Schwangerschaft war das ein sehr heikles Thema. Ich wollte die deutsche Sprache fest zu unserer Familiensprache machen. Mein Freund konnte sich das nicht vorstellen. Er wollte mit seiner Tochter nur Schwedisch sprechen. Einige Tränen habe ich wegen diesem Thema vergossen, weil ich Angst hat mein Kind könnte mir fremd sein und meine Herkunft und Identität möglicher Weise nicht nachvollziehen.

Dazu muss ich erklären, dass mein Freund und ich eigentlich zu sagen wir ungefähr 70% Schwedisch miteinander sprechen. Er beherrscht die deutsche Sprache sehr gut und hat auch ein Jahr in Deutschland gelebt. Aber er fühlt sich nicht so wohl im Deutschen wie ich mich im Schwedischen. Ich liebe die schwedische Sprache. Als ich sie zum ersten Mal hörte, empfand ich sie als elfenhaften, fröhlichen Singsang. Zu Beginn unserer Beziehung haben mein Freund und ich zunächst vor allem Deutsch gesprochen, ungefähr zwei Jahre lang und dann wurde mein Schwedisch immer besser und schließlich besser als sein Deutsch. Es ist aber auch wirklich viel einfacher als Deutsche Schwedisch zu lernen als andersherum. Deutsch ist einfach echt kompliziert! Dazu kommt, dass es mich nicht stört, wenn ich mich nicht 100% so ausdrücken kann wie ich es möchte, wenn mir mal die Worte fehlen. Ich empfinde es eher als herausfordernd und bereichernd. Ich erlebe es auch weiterhin in meinem Arbeitsalltag, denn dort sprechen wir insbesondere Englisch in allen meetings und mit vielen Kollegen.

Aber jetzt bin ich vom Thema abgekommen. Wie hat es sich dann für uns entwickelt?

Der Alltag mit zwei Sprachen ist ein wirklich schöner. Wir sprechen beide Sprachen. Ich spreche eigentlich nur Deutsch mit Klara und mit ihrem Papa spricht sie dann Schwedisch. Allerdings gibt es bestimmte schwedische Lieder, die ich ihr trotzdem vorsinge, einfach weil ich die Lieder sehr mag und eine direkte Übersetzung nicht möglich ist. Andersrum ist es auch genauso, mein Freund singt auch deutsche Lieder. Außerdem gibt es immer bestimmte Ausdrücke, die aus der einen Sprache eine besondere Bedeutung für uns habe. Mein Freund mag den Klang des Wortes „Rabaukenkind“ sehr gern und das ist unsere Klara für uns. Ich mag den schwedischen Ausdruck für lecker „mums“ sehr gern also wird der schwedisch verwendet.

Wir versuchen vor allem eins: Authentisch zu sein. Zwang allein bringt uns nirgendwo hin. Beide Sprachen müssen in unserem Alltag präsent sein.

Und hier ist Klara live in Aktion:

 Liest hier vielleicht jemand mit, der selbst zweisprachig aufgewachsen ist? Oder sein Kind/ seine Kinder zweisprachig erzieht? Ich bin über jeden Erfahrungsbericht dankbar! Unter anderem ist dieser Blog auch wegen diesem Thema entstanden. Ich hatte es nämlich nicht so einfach als ich nach Blogs suchte, die sich mit dem Thema Zwei- bzw. Mehrsprachigkeit auseinandersetzen. 

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3 Kommentare zu „Willkommen deutsches „r“ oder auch die Sache mit der Zweisprachigkeit

  1. Hallo!
    Erst einmal ein großes Lob für deinen Blog, der sehr schön ist! Auch ich bin ausgewandert nach Schweden und finde mich in vielem wieder. Mein schwedischer Mann und ich haben im September einen Sohn bekommen… seitdem ist Zweisprachigkeit auch bei uns ein Thema. Ich teile das Gefühl, wenig darüber im Netz finden zu können. Mir geht es auch so, dass ich mich mit Schwedisch so wohl fühle, dass mein Mann es schwer hat, Deutsch zu lernen. Wenn man in Schweden lebt, ist das ja auch immer etwas künstlich, das aufrecht zu halten. Ich habe aber auch gemischte Gefühle, was das angeht. Nicht leicht.
    Falls du Lust auf Austausch hast, würde ich mich freuen.
    Herzliche Grüße,
    Christina
    http://www.frokenschneider.wordpress.com (auch nicht aktuell 😉 )

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    1. Hej Christina,
      Oh jetzt hast du mich motiviert mal wieder einen neuen Beitrag über den Spracherwerb zu schreiben. Mache ich ganz bald, denn jetzt sind wir schon wieder einen Schritt weiter. Ich habe definitiv Lust auf Austausch!! Im September ist dein Sohn geboren? Herzlichen Glückwunsch, dann ist er genau ein Jahr jünger als Klara. Ich hoffe ihr habt eine angenehme Anfangszeit!

      Liebe Grüße,
      Claudia

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