Entwicklung · Gedanken · Neuanfang · Schwangerschaft · Schweden

Es ist Leben eingezogen in unser Haus – eine Rückmeldung

Jetzt melde ich mich endlich wieder zurück nach einer ungeplanten sehr langen Sommer-, Umzugs- und Wochenbettpause. Nach dem Ende der Sommerferien, deren größten Teil wir im internetlosen Sommerhaus verbracht haben, ging es unglaublich schnell los mit unserem Umzug. So ein Umzug im hochschwangeren Zustand ist dann doch etwas anstrengender! Aber alles hat sehr gut geklappt und wir fühlen uns unglaublich wohl. Unser neuer Ausblick ist einfach traumhaft und wochenlang konnten wir fast täglich ein paar Rehe auf dem Feld hinter unserem Haus beobachten. Ganz abgesehen von diesen traumhaften Sonnenuntergängen…

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Die Rehe zu Besuch am Abend

Dann ging es ganz schnell weiter mit den aufregenden Ereignissen, denn am 08.09.2015 ist unsere Tochter Klara geboren worden. Sie kam eine Woche früher als errechnet (genauso wie ich) und die erste gemeinsame Zeit haben wir einfach nur zu dritt genossen! Wirklich eine ganz magische Zeit, die so unglaublich schnell vergeht! Wir hatten zum Glück ganze vier Wochen zusammen, aber selbst die erscheinen mir jetzt sehr kurz.

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Unsere kleine Klara

Ich wollte eigentlich schon längst wieder geschrieben haben, aber das war und ist gar nicht so einfach. Es ist wirklich eine Umstellung mit einem kleinen Kind. Ja, ich weiß, dass ist eigentlich nichts neues, aber wenn man es dann selbst erlebt, dann ist es doch noch einmal eine ganz neue Erkenntnis. Ich gebe ganz offen und ehrlich zu, für mich ist das nicht immer ganz einfach. Ich genieße die Zeit mit Klara sehr, aber ich vermisse es Zeit für andere Sachen zu haben, die ich momentan nicht oder nur kaum tun kann. Zum Beispiel in Ruhe einen neuen Beitrag zu schreiben oder zu nähen. Vielleicht bin ich auch noch nicht besonders geschickt darin meine Zeitfenster günstig genug auszunutzen, aber das kommt bestimmt noch. Vorher konnte man einfach alles in Ruhe machen, wenn man Lust dazu hatte. Jetzt muss ich die Momente nutzen in denen Klara schläft.

Aber, dass hier nichts erschienen ist, heißt nicht, dass ich nicht fleißig darüber nachgedacht habe, was ich schreiben könnte. Zunächst wollte ich über die Schwangerschaftsbetreuung in Schweden berichten und die Geburt. Aber so nach und nach habe ich gemerkt, dass das momentan nicht das Hauptthema ist, das mich beschäftigt.

Die Geburt war für uns eine sehr positive und schöne Erfahrung auf die ich mich auch sehr gut vorbereitet gefühlt habe. Die ersten vier Wochen danach waren ebenfalls sehr schön insbesondere, weil mein Freund und ich gemeinsam Zuhause waren.

In dieser ersten Zeit war die größte Herausforderung die Ungewissheit. So viele erste Male… das erste Mal Stillen, die ersten Bauchschmerzen, der erste Spaziergang und vieles mehr. Ich kann mich noch genau daran erinnern wie ich große Angst davor hatte Klara vielleicht diesmal nicht beruhigen zu können. Da am Anfang alles so entspannt ablief, wurde uns teilweise gesagt, dass es bestimmt noch schwieriger werden würde. Im Nachhinein kann ich nur sagen, dass das eine der schlimmsten Dinge ist, die man einem frischgebackenen Elternpaar sagen kann. Falls es anstrengender wird, bekommt man es früh genug selbst mit. In diesem Moment ist es so viel wichtiger sich mit den Eltern einfach nur zu freuen. Ich habe es in diesem Moment so wahrgenommen, dass einige Leute direkt darauf gewartet haben, dass es schlechter läuft und das war sehr unangenehm.

 

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Der erste Spaziergang

Letztendlich kam aber die viel stärkere Umstellung für mich als mein Freund wieder begonnen hat zu arbeiten. Tatsächlich war ich zunächst ein bisschen eifersüchtig. Arbeiten gehen, das klang für mich wie Erholung.

Ich muss dazu sagen, dass Klara zu diesem Zeitpunkt einen tüchtigen Entwicklungsschub hatte. Ich konnte sie fast gar nicht ablegen und habe es am ersten Tag kaum geschafft mich anzuziehen.

Mir wurde immer klarer, dass ich mich auch zukünftig nicht nur als Mama definieren würde. Ich bin eine sehr glückliche Mama, aber eben nicht nur eine Mama. Ich genieße die Zeit mit meinem Kind und gleichzeitig bin ich immer noch ich selbst. Mir ist es wichtig, das auch nicht aufzugeben. Das zu schreiben ist gar nicht einfach, denn gleichzeitig bekommt man dabei ein schlechtes Gewissen. Ich möchte immer für mein Kind da sein und genieße es zum Beispiel sehr, wenn sie ganz kuschelig noch halbverschlafen neben mir liegt und auch wenn sie wieder einmal ihre geliebte Lampe anlacht.

Aber es gibt auch die anstrengende Seite. Am Anfang habe ich fast immer mit Klara auf dem Arm gegessen habe, denn sie hatte grundsätzlich dann Hunger, wenn wir essen wollten. Außerdem bin ich mit ihr nachts teilweise drei Stunden durch das Haus getanzt, um sie zum Schlafen zu bewegen.

Gleichberechtigung in der Partnerschaft und Kindererziehung ist für mich schon immer ein wichtiges Thema. Mein Freund und ich haben darüber sehr viel während und schon vor der Schwangerschaft geredet und doch haben wir damit zu kämpfen. Wir haben uns dafür entschieden, dass ich unsere Tochter stille und ich genieße es in vollen Zügen und gleichzeitig finde ich es manchmal sehr anstrengend, dass sie dadurch so auf mich als Mutter angewiesen ist.

Als mein Freund wieder zu arbeiten begann, mussten wir unsere Rollen ein bisschen neu definieren, was erwartet der eine von dem anderen, was ist möglich und wie fest muss diese Rollenverteilung sein? Auch weiterhin befinden wir uns noch auf dem Weg und, dass ich mehr Zeit mit Klara verbringe, macht es nicht unbedingt einfacher. Das hat sich auch in dieser Woche wieder gezeigt. Am letzten Wochenende bin ich mit Klara nach Stockholm gefahren und habe dort eine Freundin getroffen. Ein wundervolles Wochenende und das Rauskommen hat mir sehr gut getan! Aber gleichzeitig hatten Klara und ihr Papa dadurch kein gemeinsames Wochenende, was auch bedeutet, dass mein Freund Klara fast zwei Wochen lang nur am Abend gesehen hat und genau dann ist ihre Stimmung immer am schlechtesten. Wichtige Qualitätszeit, die die beiden unbedingt brauchten.

Immer wird mir deutlich, dass es in diesem Prozess total wichtig ist, dass man mit seinem Partner spricht. Kommunikation ist fast alles! Ich bin gespannt wie es weitergeht!

Ach und wer hätte es gedacht auch beim Kinder bekommen sind mir ein paar Schweden-Deutschland Unterschiede aufgefallen. In Deutschland zieht man Neugeborene so warm an! Das war mir vorher nicht bewusst. Spätestens als meine Eltern mich immer wieder fragten, ob Klara nicht kalt wäre und meine Schwiegermutter fragte, ob ihr nicht zu warm wäre, wurde mir dies deutlich.

Ein weiterer Unterschied ist, das es das Wochenbett als solches in Schweden nicht gibt. Übrigens auch keinen Mutterschutz. Ich habe noch bis eine Woche vor der Geburt gearbeitet. Ich mag mir kein richtiges Urteil darüber bilden, ob das jetzt gut oder schlecht sei. Mir ging es vor der Geburt sehr gut und auch hinterher ganz schnell wieder sehr gut, sodass ich mich unbedingt bewegen wollte. Hätte ich körperlich mit Problemen zu kämpfen gehabt, wäre dies bestimmt anders gewesen. Auf jeden Fall gefällt es mir, dass in Schweden eine Geburt nicht mit einer Krankheit gleichgesetzt wird, dieses Gefühl bekomme ich manchmal in Deutschland.

So viel erst einmal von mir und dem neuen Stand der Dinge 🙂 Ich werde versuchen in der nächsten Woche wieder etwas genähtes zu präsentieren. Ich habe noch zwei feine Sachen da, die während zwei Probenährunden vor der Geburt entstanden sind und auch auf meinem Nähtisch liegen wieder zwei neue Projekte. Aber leider geht es wirklich nur langsam voran vielleicht wird das aber in den nächsten Wochen leichter.

Außerdem dachte ich, dass es vielleicht ganz interessant sein könnte, darüber zu berichten, wie sich die Betreuung von Schwangeren und Neugeborenen in Schweden und Deutschland unterscheidet, grad weil die Betreuung der Schwangeren durch Hebammen in Deutschland deutlich auf der Kippe steht. Mir fallen definitiv einige interessante Unterschiede in der Art und Weise der Betreuung in diesen beiden Ländern auf. Vielleicht mögt ihr einen Kommentar da lassen, falls euch mein Bericht interessieren würde?

Ich wünsche euch allen ein schönes Wochenende!

Eure Claudi

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4 Kommentare zu „Es ist Leben eingezogen in unser Haus – eine Rückmeldung

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