Auswandern · Entwicklung · Gedanken · Schwangerschaft

Zwischen zwei Welten – so schön schmerzhaft

Jetzt war es hier viel länger still als eigentlich geplant. Aber es gab gute Gründe: Ich bin mal wieder in die Heimat gereist, ins schöne Brandenburger Land, nach Berlin und nach Potsdam und dann haben wir noch Ferien in Südschweden gemacht. Ein wundervoller Sommer und ich bin unglaublich dankbar, dass es in Schweden kein besonders heißer Sommer war/ ist!

Aber heute soll es vor allem darum gehen, wie es sich anfühlt in die Heimat zu reisen, wenn man so weit weg wohnt. Eigentlich habe ich diesen Beitrag schon direkt geschrieben, als ich aus Deutschland zurückkam, aber da wir nur wenig Zeit zwischen meiner Deutschlandreise und unserem Urlaub im Süden hatten, bin ich einfach nicht dazu gekommen den Beitrag zu veröffentlichen. Dann also jetzt!

Es war eine ganz wundervolle Zeit und sehr intensiv! Diese Reise war etwas ganz besonderes für mich, denn es war die letzte, die ich noch als Schwangere und nicht als Mama mit oder ohne Kind gemacht habe.

Ich muss dazu sagen, dass ich an das Hin- und Herreisen zwischen Schweden und Deutschland sehr gewöhnt bin. Es ist eigentlich nichts besonders mehr. Ich weiß zu welchem Flughafenterminal ich muss, wo man besser nochmal auf Toilette geht und schlafe beim Start immer ein – also typische Pendlergewohnheiten. Da macht es nämlich keinen großen Unterschied, ob man zwischen zwei Stadtteilen, Städten oder Ländern hin- und herpendelt. Ich dachte auch, dass sich das nicht ändert. Warum auch? Ich bin doch nur schwanger! Reisen sollte weiterhin so einfach und entspannt sein.

Aber da habe ich mich getäuscht. Bereits als ich im Februar nach Deutschland reiste, war die Reise nicht ganz so einfach wie sonst.

Übrigens reise ich eigentlich häufiger allein als mit meinem Freund zusammen nach Deutschland, einerseits weil ich mehr Ferien habe als er und andererseits (und insbesondere) weil ich so viel flexibler bin. Ich mag es auch total, wenn er dabei ist, aber diese Qualitätszeit mit meinen Liebsten brauche ich einfach immer mal wieder ganz für mich allein. Man unterhält sich ja doch anders mit den besten Freundinnen, wenn der Liebste daneben sitzt.

Am Anfang habe ich mir die Reisen generell immer viel zu voll gepackt, sodass so ein richtiger Treff- und Erledigungsstress aufkam. Aber viel hilft eben nicht immer viel! Meine Reise planerisch gut vorzubereiten habe ich gut gelernt. Insbesondere nach dieser letzten Reise ist mir das bewusst geworden. Diesmal habe ich mir für jeden Tag nur ein Treffen vorgenommen (na gut eine Ausnahme bestätigt die Regel) und meine Hin- und Herreisezeit innerhalb Deutschlands massiv verkürzt. Mir war vorher klar, ich werde nur in meinem Heimatstädtchen, in Berlin und in Potsdam sein. Freunde an anderen Orten zu besuchen wäre einfach zu viel geworden. Man muss sich seine Kräfte einteilen. Ich habe mich sehr gefreut, dass mir meine Freunde dabei sehr entgegen gekommen sind. Das zeigt, dass ich ihnen auch noch sehr wichtig bin.

Die ersten Tag habe ich also in meiner Heimatstadt verbracht und es war sehr schön mehrere Tage mit meinen Eltern und meiner Oma zu verbringen. Manchmal braucht man einfach ein wenig Zeit zusammen, man muss nicht den ganzen Tag intensiv miteinander verbringen, aber dieses umeinander sein tut sehr gut. Irgendwie ist es total schön zu spüren, dass ich ihnen auch immer noch mit ganz alltäglichen Sachen behilflich sein kann, zum Beispiel in dem ich meine Oma vom Arzt abhole und meinem Papa mit seinen Technikproblemen helfe. Diese ganz alltäglichen Sachen machen eine Vertrautheit aus.

Es ist auch wunderschön, dass im Haus meiner Eltern noch immer so vieles wie immer ist und ich daher eigentlich alles finde. Omas Eierplinse in ihrem Garten zu genießen ist auch weiterhin einfach herrlich. So viele Kindheitserinnerungen die da hochkommen!

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Omas Eierplinse! Die besten überhaupt
Die nächsten Tage habe ich dann in Berlin verbracht. Was für ein Gegensatz zu meinem kleinen schwedischen Städtchen! Bei Dussmann genüsslich über die Etagen zu schlendern und Kinderbücher für die kleine Maus in meinem Bauch auszusuchen hat gut getan. Ja, ich weiß.. sie wird nicht lesend auf die Welt kommen, aber es ist mir einfach wichtig schon ganz zeitig deutsche Bücher dazuhaben. Deshalb habe ich auch mein altes Zimmer auf den Kopf gestellt und meine allerliebsten Kinderbücher herausgesucht.

Natürlich musste ich auch die Berliner Möglichkeiten für mein neues Lieblingshobby auskosten. Deshalb habe ich mich zunächst zum Stoffladen Frau Tulpe aufgemacht. Ich hatte mir auch noch ein paar andere schöne Adressen herausgesucht, aber das war gar nicht mehr nötig. Es gab so unglaublich viele schöne Stoffe zu entdecken, die Beratung war ganz wunderbar und überhaupt war die Atmosphäre im Laden sehr entspannt. Ich habe bestimmt fast zwei Stunden darin zugebracht. Ich werde die Ergebnisse meiner neuen Projekte hier dann auch bald vorstellen. In Sachen Stoffauswahl ist Deutschland einfach viel besser aufgestellt! Aber gut ich muss auch beachten, dass ich immer in Berlin vorbeischauen kann, in jeder deutschen Kleinstadt ist die Auswahl dann wohl auch nicht so gut.

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Freibad in Berlin – nicht mit schwedischen Stränden vergleichbar!
Am Samstag ging es dann nach Potsdam. Man war das heiß! 37 Grad und schwanger sein, sind wirklich nicht die beste Kombination. Aber Potsdam ist wirklich einfach eine wundervolle Stadt! Hach, wie habe ich es genossen hier zwischen all den historischen Gebäuden zu studieren. Ja, es stimmt, „damals“ (wie das klingt..) habe ich dafür nicht immer einen Blick gehabt. Aber dieser Park und das Ambiente der Stadt sind schon etwas ganz besonders und die Lage… Würde ich noch in Deutschland leben, Potsdam wäre wohl mein Wunschwohnort. Nah an Berlin und doch nicht so stressig, familiärer und vertrauter.

Mit das schönste in dieser ganzen Zeit war aber doch alle meine Freunde wiederzusehen. So schön, wenn man noch Freundschaften aus allen Lebenslagen hat. Meine Kindergartenfreundin lebt mittlerweile in Berlin und wir konnten uns ganz herrlich zum Quatschen und Mittagessen treffen. Ich habe Schulfreundinnen getroffen und auch mit ihnen ganz wundervoll viel Zeit verbringen können und genau das gleiche gilt auch für Freunde aus der Studienzeit. Ich bin sehr dankbar dafür, dass es die Technik heute möglich macht ganz engen Kontakt zu halten, aber insbesondere bin ich dankbar, dass ich diesen wundervollen Freunden begegnet bin, denn nicht mit allen Menschen fühlt es sich an als hätte man gestern erst das Land verlassen und würde jetzt mal schnell wieder auf einen Kaffee vorbeikommen.

Dieser Beitrag wirkt vielleicht ein bisschen sentimental, aber jedes Mal, wenn ich wieder zurück nach Schweden fahre, habe ich wirklich dieses Gefühl zwischen zwei Welten zu schweben. Alle meine Liebsten in Deutschland lasse ich hinter mir und es dauert einen Moment bis ich wieder ganz in meinem Leben hier in Schweden angekommen bin. Das passiert trotzdem ich mich unglaublich auf Schweden gefreut habe. Endlich wieder neben meinem Freund einzuschlafen und einfach Zweisamkeit mit ihm genießen. Außerdem habe ich mich auch schon unglaublich auf die nächsten Ferienwochen gefreut. Ich wusste schon, dass die Zeit in Südschweden ganz herrlich sein würde. Ferien in einem schwedischen Sommerhaus sind wirklich einfach ein Traum und auch dort haben wir ganz viele Freunde und Familie getroffen.

Durch die Schwangerschaft bin ich momentan ein bisschen emotionaler, das bin ich aber sonst auch schon, und deshalb wurde ich von diesen Gedanken und Gefühlen ein bisschen überrumpelt. Der Gedanke, dass ich insbesondere meine Oma, die schon über achtzig Jahre alt ist, eine Weile nicht sehen werde und mit dem Reisen nicht mehr ganz so flexibel bin, das ist kein leichter für mich. Die Angst, dass etwas unerwartetes passieren könnte, ob nun uns oder einem wichtigen Menschen in Deutschland, die ist jetzt wesentlich präsenter. Aber grade deshalb habe ich die Zeit, die ich dort verbringen konnte so sehr genossen. Man könnte das Ganze also als Schattenseite des Auswanderns beschreiben, in den Momenten in denen ich sehr traurig bin, würde ich es auch definitiv tun. In der restlichen Zeit empfinde ich es aber auch fast als ein kleines Geschenk, sich über die Bedeutung der sozialen Beziehungen so sehr bewusst zu werden.

In der nächsten Zeit steht auch jetzt wieder viel bei uns an. In der nächsten Woche ziehen wir endlich um und es sind auch nicht einmal mehr vier Wochen bis zum Geburtstermin. Meine Beiträge auf dem Blog werden also weiterhin unregelmäßig sein. Aber ich freue mich natürlich, wenn ihr ab und an vorbeischaut.

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Ein Kommentar zu „Zwischen zwei Welten – so schön schmerzhaft

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